Unsichtbar und zugleich extrem wichtig: Das Zusammenspiel hinter den Kulissen

Gerade in den vergangenen Wochen durfte ich deutliche Unterschiede in der Qualität der Zusammenarbeit erleben. An einem Tag war ich in einer vermeintlich guten Location, die auf den ersten Blick auch einen gesteigerten Qualitätsanspruch hat und mit guten Speisen aufwartet. Den anderen Tag war ich in einer echten PROFI-Hochzeits-Location. Für Letztere ist es offensichtlich das Mindestmaß, dass ihre Speisen und Getränke hervorragend sind. Vielmehr haben Sie aber auch gezeigt, dass ihr Anspruch darüber hinaus geht und sie gut mit Anderen zusammenarbeiten.

Was ist passiert?

Wie immer rufe ich wenige Tage vorher bei der Location an und spreche kurz die technischen Erfordernisse ab. Ich benötige nur eine normale Haussteckdose (16A – kein Starkstrom) und freue mich, wenn mir die Gastronomie einen Tisch (ca. 70x150cm) für meine DJ-Technik bereitstellt oder ich genug Platz habe für meinen DJ-Tisch. Telefonisch sicherte man mir dies in beiden Fällen zu und würde alles vorbereiten.

In der erstgenannten Location kam ich an und es war nichts vorbereitet, aber die Gäste waren schon draußen. Auf Nachfrage hieß es nur, ich soll mir doch bitte draußen bei den Gästen einen passenden Tisch aussuchen. Den schweren Tisch durfte ich durch alle Gäste selbst hereintragen. Dass ein Kollege vom Serviceteam auf die Idee kommt, kurz mit anzupacken war scheinbar außerhalb der Vorstellungskraft des Serviceteams. Noch während des Essens kam der Chef zu mir. „Bist du hier der DJ?“ Am liebsten hätte ich etwas frech geantwortet: „Nein, ich stehe nur schon 2 Stunden hinter dem DJ-Pult, weil ich dachte es sieht cool aus“. Er begrüßte mich mit den Worten, dass es hier für DJs zwei Regeln gibt: „Wenn er sagt, leiser machen, dann habe ich mich auf daran zu halten und er möchte doch bitte, dass das letzte oder zumindest vorletzte Lied Robbie Williams – Angel ist“. Gegen Regel eins spricht absolut nichts. Die Hausherren wissen oft am Besten, was die Nachbarn aushalten, sofern denn empfindliche Nachbarn in der Nähe sind.

Doch bei Regel zwei hatte es mir fast die Sprache verschlagen und ich antwortete etwas zögerlich mit „Ja, mal gucken.“ Meine Strategie lautete ganz klar: professionell, deeskalierend auftreten. Die Gastgeber sollen eine wunderbare Feier haben und davon nichts mitkriegen.

Am Ende konnte ich dem Chef den Wunsch sogar erfüllen, da der Song in das Wunschspektrum der Gastgeber passte und Sie es nicht gemerkt haben. Der Chef kam dann auch und hielt sein Handy in die Luft und filmte seine eigene Deckenbeleuchtung und sein Lokal. Etwas mehr Zurückhaltung hätte nicht geschadet…

Doch bei allem Respekt gegenüber der Gastronomie, mein Auftraggeber ist das Brautpaar und die bestimmen was und wann und vor allem auch was nicht gespielt wird. Hätte das Leid auf der „No-Go-Liste“ gestanden, hätte ich den Wunsch nicht erfüllt! Der Gastronom ist, genauso wie ich, ein Dienstleister und hat seine eigenen Wünsche an einem solchen Abend zurückzustellen!

Ganz anders dagegen in der zweiten Location: Als ich ankam war ein großer Tisch rundherum weiß eingekleidet und damit zu drei Seiten optisch geschlossen. Das ist ideal, um ggf. Koffer darunter abzustellen, ohne dass es den optischen Eindruck stört. Es gab keine „Musikwünsche“ von der Gastronomie und die Absprache untereinander war die ganze Nacht sehr gut.

Abgesehen von diesem Beispiel ist eine gute Kommunikation aber auch für den Gesamtablauf des Abends sehr wichtig. Stellt Euch vor, die Gastronomie bereitet die Hochzeitstorte vor, dreht das Licht noch runter (damit das Feuerwerk zur Geltung kommt) und spricht sich weder mit dem Fotografen/Videographen, noch mit dem DJ ab. Für die Gastgeber sieht es so aus, als ob das gewünschte Lied zur Torte vom DJ vergessen wurde, im schlimmsten Fall gibt es nur noch hektisch vom Fotografen geschossene Schnappschüsse, die die Torte oder den Anschnitt zeigen. Und ohne dass der DJ oder der Fotograf Schuld sind, wirkt es hinterher so, als ob beide sich nicht an die vorherigen Absprachen gehalten haben. Dass im Endeffekt die Gastronomie einen Alleingang gemacht hat, ist dann nur ein schwacher Trost, denn den Moment gibt es nur einmal und dazu sollte alles passen: Anmoderation, Musik, Beleuchtung, Fotos und Videos. Natürlich darf auch der DJ sich nicht nur mit der Braut abstimmen und dann denken, er kann vollmundig die Hochzeitstorte ankündigen, wenn die Gastronomie noch gar nicht bereit ist.

Im Idealfall arbeiten ausschließlich professionelle Dienstleister mit einem hohen Qualitätsanspruch auf einer (Hochzeits-)Feier. Diese Dienstleister wissen, dass die Zusammenarbeit mit allen anderen Dienstleistern für den Gesamterfolg enorm wichtig ist und behandeln die anderen Dienstleister auch entsprechend und legen eine gute Kommunikation und gegenseitigen Willen zur Zusammenarbeit und Respekt an den Tag. Schon ein unprofessioneller Dienstleister kann die gute Arbeit aller anderen Dienstleister zu Nichte machen.

Ein wichtiger Tipp: Fragt vorab, ob es empfindliche Nachbarn gibt. Es ist Eure Feier und im Idealfall könnt ihr so lange und so laut feiern, wie ihr wollt. In diesem Beispiel hatte es zum Glück keine negativen Folgen: Wir konnten so lange und so laut (angemessen, aber nicht zu laut) feiern, wie es sich die Gastgeber wünschen.